Adobe’s klare Absage an Apples No-Flash-Policy: AIR wird Runtime für alle Systeme, nur nicht fürs iPhone

Monday, February 15, 2010 8:05
Kategorie: Flash, iPhone

Schon kurz nach der iPad-Vorstellung schlugen die zwei sich aneinander reibenden Silicon Valley-Riesen Apple und Adobe Funken: weder Flash-Plugin noch Flash-Player würden in absehbarer Zeit von Apple auf seiner Plattform unterstützt. Na und, denkt sich Adobe, die mit Flash eine der am weitesten verbreiteten proprietären Webtechnologien überhaupt im Repertoire haben, dann pfeifen wir halt auf das beliebteste aller Smartphones!

Jetzt macht Adobe ernst: mit der linken Hand verweisend auf die Vielfalt an mobilen Plattformen und den damit verbundenen Aufwand, den jeder Entwickler für die jeweilige Portierung seiner Applikation betreiben muss, zeigt die rechte auf die, nach wie vor unter Flash-Nerds beliebte AIR-Runtime, die im Rahmen des maßgeblich mitinitiierten OpenScreen-Projects eine ideale Grundlage schafft, um Anwendungen zu programmieren, die plattformübergreifend ihren Dienst verrichten. Mit Flash 10.1, Auslieferungsdatum Mitte 2010 soll der Traum zur Realität werden. Entsprechende Player für Android, Blackberry, Symbian, webOS und Windows Mobile sind in Arbeit und sollen gemäß einer von Adobe in Auftrag gegebenen Studie von Strategy Analytics bereits 2012 auf über 250 Millionen Smartphones installiert sein.

via Engadget

No Flash on iPad | via Engadget

Die mobile AIR-Runtime wird APIs für hardwarenahe Funktionen, wie Multitouch-Support und Gestensteuerung, Beschleunigunssensoren und natürlich GPS-Signale und damit eine plattformunabhängige Lösung für die schnelle Entwicklung von modernen mobilen Applikationen bereitstellen. Klingt alles gut (und mit Blick auf die verjährten Bemühungen des Java Community Processes, genau diese Anforderungen in entsprechende JSRs umzumünzen auch sehr vertraut), aber der Haken sind die Adjektive “schnell und unkompliziert”. Sie gelten in erster Linie für Flash-Entwickler und solche, die bereit sind, das Geld für die nicht ganz billige Lizenz der Creative Suite (€816,-) auszugeben und sich ggf. auch noch die nicht gerade mit einfachen HTML- und Javascript-Grundkenntnissen erlernbaren Untiefen von Flex und ActionScript 3 anzueignen.

Um die Masse der produktiven Entwickler einzusammeln, die sich bekanntermaßen trotz aller Unzulänglichkeiten derzeit ums iPhone scharen, zieht Adobe aber noch ein Kaninchen aus dem Hut: Flash-Applikationen werden auch auf dem iPhone laufen (und dem iPad und dem iPod Touch, um ein paar Suchwörter für den Google-Index zu bemühen), allerdings nicht mit einer systemweiten Flash-Runtime. Das erreicht Adobe mit dem Holzhammer, der in diesem Falle „Adobe Packager for iPhone“ heißt und einfach Runtime und Applikation zu einem installierfähigen Paket verschnürt. Vorteil: man kann den Code für so eine App sowohl auf iPhone und Co. als auch auf Android und allen anderen Flash-fähigen Plattformen weiterverwenden; Nachteil: die Runtime muss mit jeder App mitgeliefert werden – Größenangabe bislang unvollständig.

Stefans 50 Cents:

Warum wehrt sich Apple eigentlich so vehement gegen die Blitztechnologie aus San Jose? Das könnte unter anderem daran liegen, dass Apple einen weiteren Wert- und Aufmerksamkeitsverlust seiner Videotechnologie Quicktime befürchtet, die mit der werksseitigen Integration von Flash in MacOS endgültig ihr Todesurteil – zumindest in mobiler Version – befürchten dürfte. Darin liegt im übrigen auch Adobes forsches Voranschreiten bei der Verbreitung der Plattform begründet: nachdem man am Flagschiff YouTube beweisen konnte, wie gut sich Flash als Trägertechnologie für einen simplen Videocodec eignet, fürchtet man nach Google’s Übernahme des dem in Flash verwendeten x.264 überlegenen Verfahrens TrueMotion VP8 von On2, dass der Flashplayer als Basistechnologie obsolet wird. Denn neben Google arbeitet auch die Mozilla Foundation fleißig daran, im Rahmen der endgültigen Spezifikation von HTML5 durch das W3C einen Flash-unabhängigen Video-Tag zu etablieren, der seinerseits Flash halbwegs überflüssig machen würde (abgesehen von der Anzeige nervender Werbebanner). Rene Ritchie von Tipb.com hat sich gestern übrigens auch tiefer mit diesem Thema beschäftigt. Einfach ausgedrückt: hier prügeln sich zwei, während der dritte (nämlich Google) gerade zum Lachen ansetzt.

Du kannst auf diesen Post antworten oder einen Trackback von Deiner Seite anlegen.

Eine Antwort auf “Adobe’s klare Absage an Apples No-Flash-Policy: AIR wird Runtime für alle Systeme, nur nicht fürs iPhone”

  1. Remipod sagt:

    February 15th, 2010 um 11:23

    Der tiefer gehende Grund von Apple Ablehnung von Flash dürfte in der Kontrolle des Contents liegen. Mit Flash auf dem IPhone, IPad, IPod Touch wären auch mehr Casual Games für 0,0 € spielbar. So verdient Apple mehr an den Content-Anbietern (Video, Musik im Appstore), den Datenüberträgern (Carrier beteiligen Apple am Umsatz des Datenverkehrs) und letztendlich dem Konsumenten.

Kommentiere diesen Beitrag: