MeeGo: Intel und Nokia verschwören sich zur potenziellen iPad/ChromeOS-Nemesis
Monday, February 15, 2010 17:47Das nenne ich mal eine kurze Halbwertszeit: vom Launch des Nokia N900 (das man trotz der Handvoll Vorläufer als erstes echtes massentaugliches Maemo-Device bezeichnen muss) bis zum Merging bzw. der Umbenennung des Systems verging kaum ein halbes Jahr. Keine Viertelstunde dauerte die Pressekonferenz, in der Nokia und Intel eine weitreichende Kooperation bekanntgaben, innerhalb derer sie die mit völlig unterschiedlichen Business-Modellen, aber nahezu der selben Technologie ausgestatteten Betriebssyteme Moblin und Maemo zu „MeeGo“ verschmelzen wollen. MeeGo, ein Kunstname, der das Zeug dazu hat, jeder LOLCat ein Grinsen auf die Schnauze zu zaubern.

Doch nicht nur der Name ist freundlich, auch das Ansinnen: beide Parteien betonen gebetsmühlenartig aber mit einem glaubwürdigen Unterton, dass diese Plattform jetzt endlich das einheitliche mobile Linux-Derivat werden soll, auf das sich die letzten zehn Jahre niemand einigen konnte. MeeGo soll auf allen Formfaktoren und CPU-Architekturen laufen, mit denen man sich mobile Endgeräte vorstellen kann. Dabei bringen sowohl Nokia als auch Intel wertvolle Assets mit in die Partnerschaft: Intels originäres Wissen über die eigene Prozessorarchitektur rund um Atom- und Core iX-CPUs trifft auf Nokias langer Expertise mit der mobilfunkoptimierten ARM-Architektur. Softwareseitig soll ein vollständig geöffnetes System entstehen, das alle Entwickler und Enthusiasten dazu einlädt, zu seinem Wachstum und zur Stabilität beizutragen. Bei Android klang das seinerzeit ähnlich, Nokia hat mit der Offenlegung des Betriebssystems S60 aber bereits dem guten Willen Taten folgen lassen. Man werde keinen Netzbetreiber oder anderen ehemaligen Partner bevorzugt behandeln; MeeGo soll zu einem Community-Projekt mit einem feststehenden demokratischen Grundgedanken avancieren.
Als Framework für die Oberfläche setzt MeeGo auf Nokias Qt, sodass zumindest versierte Maemo-Entwickler beim Frontend nicht noch einmal umdenken müssen und sich die lange Investition und die mühsame Portierung für mobile Endgeräte endlich Früchte tragen kann. Nokia setzt in der neuen Framework-Variante Qt Mobility auf One-App-fits-all-Screens, sodass das Konzept von Intel und Nokia tatsächlich ein konsistentes UI-Erlebnis auf jeder Screengröße erzeugen kann.
Jetzt versteht man auch, warum sich die beiden Branchenriesen ab sofot eine Bettdecke teilen wollen: MeeGo ist unterm Strich nichts weniger als eine Antwort von Nintelokia auf Google’s ChromeOS, Android für MediaDevices und natürlich auch Apple’s mobiles Mac OSX, das erst Ende Januar auf dem iPad zeigte, dass es keineswegs auf den schmalen Handy-Bildschirm beschränkt ist. Qt Mobility hat gegenüber dem fragmentierten iPhone/iPad-Konzept allerdings (noch) den Vorteil, dass selbst Oberflächen-Code äußerst skalierbar und der Portierungsaufwand entsprechend gering ausfallen wird.
Symbian wird Nokia auch längerfristig keineswegs zu den Akten legen. Darauf beharrte Kai Öistämö während der Pressekonferenz mit Nachdruck; das Betriebssystem sei ein elementarer Eckpfeiler in der Strategie für mobile Endgeräte und werde konsequent weiterentwickelt. Schon im Vorfeld von MeeGo gab es erste Videos zur nächsten Generation von S60 Touch zu sehen.

admin sagt:
February 18th, 2010 um 22:25
http://www.heise.de/open/artikel/Die-Woche-Moblin-Maemo-MeeGo-935008.html